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- Heide Nürnberger Buchverlag
Berlin 2042
Rüdiger Lehmann Berlin 2042 Roman 1. Auflage ISBN 978-3-943018-28-8 Erscheinungstermin: 30.04.2012 Berlin, im
Jahre 2042. Die deutsche Hauptstadt droht, in Regenfluten zu versinken. In diesem
Katastrophenszenario gewährt Richard einer unbekannten Frau namens Emma Unterschlupf
in seiner Wohnung und verleugnet sie vor ihren Verfolgern, die einer
mysteriösen Organisation anzugehören scheinen. Doch genauso unerwartet, wie Emma
aufgetaucht ist, verschwindet sie auch wieder. Zurück lässt sie lediglich
einige undurchsichtige Bemerkungen über ihre Person und ein paar Kleidungsstücke.
Richard versucht,
den Vorfall zu vergessen, doch immer wieder wird er durch sonderbare Vorfälle
an Emma erinnert. Als schließlich auch er von Emmas Verfolgern bedroht wird, beginnt
eine Odyssee durch das mehr und mehr im Hochwasser versinkende Berlin. Welches
Geheimnis umgibt Emma und wird Richard sie retten können?
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Leseprobe: Samstag, 9.
August 2042 Kurz
nach neun war ich aufgestanden und hatte den Rest des Tages vertrödelt. Ein
Blick nach draußen zeigte mir, dass noch immer das Sauwetter der letzten Tage
herrschte. Eine kaum zu durchdringende Regenwand hing vor dem Fenster. Hin und
wieder wurde sie durch das Aufzucken eines Blitzes zerrissen, dem ein dumpfes
Gurgeln folgte - als ob selbst der Donner in den Wassermassen ersaufe.
Der
Bahnhof Friedrichstraße, der sich zweihundert Meter entfernt von meinem Haus am
Schifferbauerdamm befand, war nur mehr als schemenhafter Buckel zu sehen. Mit
Mühe konnte ich das Band der kanalisierten Spree erkennen, die unten ihres
Weges zog. Ihr Pegel stieg weiter und weiter. Aber das war nur zu erahnen.
Jede
Bewegung erinnerte mich daran, wie unangenehm das Hemd auf meinem schwitzenden
Körper klebte. In meiner Wohnung, die über keine Klimaanlage verfügte,
herrschten fünfunddreißig Grad! Laut Meteo war keine Änderung des
Wettergeschehens zu erwarten.
Meine
beruflichen Aussichten waren nicht besser. Jahrelang hatte ich Programme für
intelligente Teppiche entwickelt. Doch nach dem Farbenskandal vom
vorangegangenen Jahr war meinem Auftraggeber die Kundschaft ferngeblieben. Wer
kaufte schon Teppiche, die sich nicht reinigen ließen? Da konnten sie noch so
intelligent sein! Mich als Freelancer hatte es natürlich als einen der ersten
erwischt. Am Donnerstag, mitten in der Programmierung einer offenen
Do-While-Schleife, erhielt ich den Anruf. Mit sofortiger Wirkung, hieß
es.
Ich
trat näher ans Fenster. Gerade als ich mich fragte, wann sich die Spree mit dem
See, der sich auf der Straße gebildet hatte, vereinen würde, sah ich, wie eine
von der Friedrichstraße kommende Person den Schiffbauerdamm entlang eilte. Sie
schaute sich immer wieder um, als würde sie verfolgt. Und tatsächlich: Jetzt
sah ich zwei weitere Gestalten aus dem Regen auftauchen.
Die
erste Person überquerte die Straße. Gleich darauf verschwand sie unter meinem
Erker. Dem Laufstil nach zu urteilen, war es eine Frau.
Ich
wechselte zum jenseitigen Fenster des Erkers in der Absicht, die Jagd von hier
aus weiterzuverfolgen.
Ich
wartete vergebens.
Stattdessen
hörte ich den Türgong, dann lautes Klopfen. Ich schaltete das Spionbild ein. Da
stand die Frau, die ich zuvor beobachtet hatte. Wie war sie ins Haus gelangt?
Einen
Moment schwankte ich. Sollte ich ihr öffnen? Mir fielen die beiden Verfolger ein.
Ja, ich wollte ihr helfen.
Sie
schlüpfte herein und blickte mich durch ihre nassen Haarsträhnen unverwandt an.
Angst spiegelte sich in ihren Augen. Sekunden vergingen ohne ein Wort. Dann
waren Schritte im Treppenhaus zu vernehmen. Ich schloss behutsam die Tür. Die
Frau legte den Finger auf die Lippen und zog mich am Arm ins Innere der
Wohnung. Erneut ging der Türgong. Auf dem Monitor sah ich die Verfolger, zwei
Männer in Overalls. Die Frau beschwor mich gestenreich, nicht zu reagieren.
Doch ich hatte bereits die Mikrotaste gedrückt und mich gemeldet.
„Haben
Sie soeben eine Frau in Ihre Wohnung gelassen?“
Ich
überlegte: Sie mussten bereits im Haus gewesen sein, als ich die Frau
eingelassen hatte. Und mit Sicherheit gab es Wasserspuren, die zu meiner Wohnung
führten.
Meine
Besucherin schüttelte beschwörend den Kopf.
Entgegen
aller Logik sagte ich: „Nein, ich habe keine Frau in meine Wohnung gelassen.
Warum fragen Sie?“
„Weil
einiges darauf hindeutet.“ Der Sprecher richtete seinen Blick auf den Boden,
womit er mir zu verstehen geben wollte, dass die Wasserspritzer mich verrieten.
Warum
ließ ich mich überhaupt auf eine Diskussion ein? Vertrauenserweckend sahen die
beiden Gestalten nicht gerade aus. Der kleinere von ihnen hatte an der linken
Schläfe eine Narbe, die vom nachgewachsenen Haar noch nicht wieder ganz
verdeckt wurde. Ich zoomte näher heran und sah den typischen Abdruck neben dem
Ohr. Der Mann hatte sich einen Kommunikationschip implantieren lassen. Das Ding
kam bei Telefoniersüchtigen mehr und mehr in Mode. Die Narbe war das
Bemerkenswerteste an seinem sonst blassen Gesicht. Das seines Begleiters war
umso imposanter, fast furchteinflößend. Der schwarze Vollbart und die scharf
geschnittenen Hakennase ließen mich unwillkürlich an einen Piraten denken.
„Darf
ich fragen, wer Sie sind?“
„Wir
kommen im Auftrage der...“, begann der Chipmensch zu sprechen. Doch der Pirat,
der bisher geschwiegen hatte, fiel ihm ins Wort. Waren sie sich nicht einig?
„Wir
vertreten die Interessen einer gemeinnützigen Vereinigung, die sich um Personen
mit nicht normgerechtem Verhalten kümmert. Ihre Besucherin ist eine von ihnen.“
Autorenvita
Rüdiger
Lehmann wurde 1956 in Bautzen/Sachsen geboren und kam 1978 zum Studium der
Außenwirtschaft nach Berlin. Kurz vor dem Mauerfall 1989 siedelte er in die
Bundesrepublik über. Seine Tätigkeit als EDV-Berater übte er in Frankfurt/M.,
London, Atlanta/Georgia, Nürnberg und Basel aus. 2004 kehrte er nach Berlin zurück.
Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit geht er der Beschäftigung als
Komparse und Kleindarsteller für TV- und Kinoproduktionen nach.
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